Stilleben mit Apfel und Messer

Dieses Gedicht ist im Workshop “leise lyrik” mit Anja Zag Golob an der sfd Wien entstanden und ich mag es sehr gern.
Stilleben Apfel mit Messer

Ich hatte mir immer so sehr gewünscht, dass meine Mutter
den Apfel so schälte wie die Mutter meiner Freundin.
Beginnend vom Stängel, spiralenförmig rundherum bis
die Haut wie eine Schlange vor ihr lag.

Ich träumte, dass es bei uns so duftete wie
im Haus meiner Freundin.
Nach Kuchen und Blumen und Luft.

Ich wollte auch immer ein Pferd, und mit ihm über
die Felder galoppieren, so wie meine Freundin.

Der Vater meiner Freundin war stets auf ihr Aussehen bedacht.
Saß sie einmal inkorrekt auf dem Boden, musste sie, die Arme
hochgestreckt auf Zehenspitzen um den Esstisch laufen.
Denn nur mit geraden Beinen wäre ihr hübsches Gesicht auch was wert.

Meine Mutter zerteilte den Apfel, schnitt die
Kerne heraus und häutete ihn dann erst, bis
die Schale in Fetzen vor ihr lag.